tabu.

BLICA schrieb am 20/03/2009:

Mario Sorrenti 2008

Balthus, 1938

da hätten wirs ja wieder mal: was dem maler balthus im kunstbereich immer das image und den ruf des anrüchigen sonderlings aufgrund seiner darstellungen junger mädchen einbrachte, gehört in der mode nach wie vor zum guten ton: rüschig-lieblich, in unschuldigem weiss und mit schmollmund gen kamera- hier bestens demonstriert von lara stone, erst 2008 in szene gesetzt von mario sorrenti für die französische vogue. sowohl hier als auch da wird mit dem voyeurismus des betrachters gespielt, der entscheidende unterschied dürfte aber in der unterschiedlichen bewertung liegen: während balthus`darstellungen bereits bei seiner ersten ausstellung 1934 für einen handfesten skandal sorgten, weil die szene eines gemäldes als versuchter missbrauch eines mädchen interpretiert wurde, sind diese bildsujets in modemagazinen sowohl gängiges als auch akzeptiertes stilmittel- der fotograf mario sorrenti ist ja beispielsweise auch kein unbekannter. wer jetzt zu argumentieren verführt ist, dass balthus`bilder ja in einer ganz anderen zeit entstanden sind, dem muss ich entgegenhalten, dass balthus` status nach wie vor als nicht unproblematisch angesehen wird- so fand in deutschland seine erste monografische ausstellung vor gerade mal zwei jahren im kölner museum ludwig statt. also: woran liegts, dieses messen mit derlei unterschiedlichen maßen? meinungen bitte!

hier meine Meinung:

Balthus wagt das Spiel mit dem Betrachter: Er portraitierte vornehmlich Kindfrauen. Auf den ersten Blick erscheinen die Bilder harmlos, sieht man jedoch genau hin, stellt man fest, daß Röcke hochgerutscht und Schenkel weit geöffnet sind. Balthus spielt mit dem Grenzbereich sittlichen Empfindens, aus einem betrachtenden Publikum werden unfreiwillige Voyeure ( die sich beim sexualisierten Blick auf die Mädchen ertappen??). Balthus beherrschte dieses Spiel virtuos. Wenn Kunst Empfindungen hervorruft, hat sie Qualität, ist im besten Fall Provokation. Balthus provoziert mit einer noch heute tabuisierten Thematik – mit der Erotik unschuldiger Sexualität. Tabuisierte Themen sind unbequem, anstrengend, denn sie fordern eine Auseinandersetzung mit dem Selbst. Sorrentis Darstellung ist lediglich eine glatte Modefotografie – jeder weitere Blick ist überflüssig, das Bild entbehrt Fragestellungen und Kritik. Soviel zum Unterschied.

Davon abgesehen reproduziert Sorrenti ein  fragwürdiges Frauenbild, welches im Zusammenhang mit Werbung und Mode unreflektierten Gebrauch erfährt.

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Filed under ISSUE Ø1- FEMALE FOX

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