HEARINGS: Professur für Mode / Die Angewandte / Wien (TEIL 1).

Moderiert von Barbara Putz-Plecko (Vize-Direktorin der Univ. für angewandte Kunst Wien) fanden gestern am Vormittag die ersten Hearings zur Neubesetzung der Professur für die Modeklasse der “Angewandten” in Wien statt. Lutz Huelle (LUTZ) hatte bereits im Vorfeld abgesagt- es erschienen Helga Schania und Hermann Fankhauser (Wend&JIM), beides ehemalige Studenten der Angewandten, und Patrick van Ommelslaeghe, der  im Kreis von Veronique Branquinho an der Royal Academy Of Fine Arts in Antwerpen studierte. Fünfundvierzig Minuten blieben den Bewerbern um einen Einblick in ihr Schaffen und ihre Vorstellung von Lehre zu geben.

“My life in twenty minutes”, scherzte Van Ommelslaeghe nach der Präsentation des Videos, welches einen aufschlußreichen Bogen von seinen ersten Kollektionen bis zur heutigen Mitarbeit im kleinen Team um Raf Simons für JIL SANDER spannte.Van Ommelslaeghe scheute sich nicht anhand seiner persönlichen Geschichte sein heutiges Weltbild zu erklären: Aufgewachsen in einer intellektuellen Familie mit großem Frauenanteil, (was nachhaltig ein zeitgemäßes Geschlechterbild prägte), studierte Van Ommelslaeghe Medizin bevor er seine Modekarriere startete. Der Mensch steht in seinen Entwürfen im Vordergrund. Als Designer konzentriert er sich darauf, in der Kontinuität von Bewegung und durch die Konstruktion von bereits Dagewesenem Neues zu finden. Mit offenen Augen an der Welt teilzuhaben, im Bewußtsein, daß der Mensch von den Umständen geprägt ist, beschreibt Ommelslaeghe als Notwendigkeit für die Tätigkeit des Designers. In der Lehre möchhte er diesen Ansatz fortführen: Den Studenten einen Einblick in die Geschichte des Kostümdesigns zu gewähren gehört zur Basis –  wissen woher man kommt, wo man steht und wohin man gehen will. Das Studium versteht Van Ommelslaeghe als Rahmen für Experimente, Fehler und die Entwicklung einer charakterstarken Persönlichkeit. “I don´t want many small Patricks, because Patrick already exists”, veranschaulichte er schmunzelnd. Lediglich bei der Frage Putz-Pleckos bzgl. des Standorts Wien als Modestadt geriet Van Ommelslaeghe ein wenig ins Schleudern. In Mailand oder Paris wird dieses Thema vermutlich (noch) nicht kontrovers diskutiert. Van Ommelslaeghes  humorvolles Auftreten gepaart mit einer enormen Portion Menschlichkeit, Intellektualität und kreativem Spirit machen ihn zu meinem heutigen Favoriten.

patrickvanommelslaeghe

Bleibt zu erwähnen, daß auch Helga Schania und Hermann Fankhauser (Wendy&Jim) anwesend waren. Sie zeigten ebenfalls eine Videopräsentation, welche einen nicht wirklich intensiven Einblick in ihre, wie ich finde, durchaus interessanten Strategien und Herangehensweisen gewährte. Hängen blieb, daß sie die Studenten in Projekten auf die Realität des Modemarktes vorbereiten wollen. Jede/r soll durch die Arbeit im Team herausfinden, für welche Tätigkeit  eine Neigung besteht. In der Modeindustrie werden nicht ausschließlich Designer gebraucht. Der aktive Austausch im Gespräch dominiert einen großen Teil des Kreativprozesses bei Schania und Fankhäuser . Sie nutzen diesen, um ein Konstrukt zu bilden, welches die Haltung zum eigenen Label definiert. Ansatzweise wurde erwähnt, daß sowohl der Entwurf als auch die Präsentation ihre Arbeit ausmachen. Wert gelegt wird auf die Form der Präsentation – sie probierten in Paris als erste eine Still-Performance anstelle der gängigen Runway-Shows. Die Art des Blicks auf die Entwürfe ( z.B. von oben harab auf die Modelle) wird ebenso bewußt eingesetzt, wie mit den Grenzen des Raums durch den Einsatz von Raumaumduft experimentiert wird. Hier scheint der architektonische Background Helga Schanias duch. Sie studierte neben der Mode auch Architektur bei Hans Hollein.  Zur Lehre bleibt zu sagen, daß ab dem 2. Semester ein von ihnen ausgewählter Gast (es wurde stark auf den illustren Kreis derer hingewiesen, die sich bereits für willig erklärt hatten: Henrik Vibskov, Kostas Murkudis, JC/DC, Charles Anastase, Kim Jones, Christian Lacroix, Kai Kühne) Korrekturen macht. Dieses Bonbon bleibt jenen vorbehalten, welche sich diese Korrektur aufgrund fleissiger Zusammenarbeit auch verdient haben. Nun ja. Lieblinge werden demnach verwöhnt. Andere nicht. Oder waren die Konsequenzen dieses Konstrukts soweit noch nicht durchdacht? Die Studenten sollen mit verschiedenen philosophischen Herangehensweisen konfrontiert werden, um einen eigenen Stil entwickeln zu können. Barbara Putz-Plecko erwähnte, daß die Mode von Wendy&Jim als “trocken und langsam” beschrieben wird. Diese Attribute beschreiben am ehesten den Vortrag, aus welchem Hermann Fankhauser sich dezent zurückhielt. Einer der Folien zum Lehrkonzept war zu entnehmen: “Passion: erwarten wir von den Studenten”. Ha,ha. Ich habe den Enthusiasmus und die Lebendigkeit vermißt, welche mich im Studium in den Bann zu ziehen vermögen.

wendy&jim

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