Hearings: Professur für Mode/ Die Angewandte/ Wien (Teil 2).

Barbara Putz-Plecko erschien am Dienstag Vormittag in einem türkisfarbenem Cape. Ich faßte das als ersten Hinweis auf die dann folgenden bunten Präsentationen der nächsten Kandidaten für die Nachfolge der Modeprofessur Veronique Branquinhos auf: Bernhard Willhelm und Eley Kishimoto alias Wakako Kishimoto und Mark Eley. Bernhard Willhelm präsentierte nonchalant und mit der ihm eigenen, unprätentiösen Art seine Arbeiten. Diese sprechen bekanntlich für sich: Jodeln, Breakdance, Trachten, Helium, Porno und goldene Bananen schwebend über Model-Köpfen.  Das alles und noch viel mehr, verpackt als Performance, gewürzt mit politischen Anspielungen, dreimal geschüttelt und auf Ex reingekippt. Dazu “Bier her, Bier her, Oder ich fall um” als Sound zu einer der allerersten No-Budget-Produktionen. Das Absurde im Alltäglichen. Willhelm macht dort weiter, wo beim klassischen Modedesign der Spaß aufhört. Die Grenzen zu darstellender und bildender Kunst werden bespielt vom Harlekin, der mit einem lachenden und einem weinenden Auge dem König die Wahrheit sagt. Der Harlekin traut sich auch zu zeigen, was unter anderen Umständen niemand zu Geicht bekommt: Was nix wurde. Denn, so Willhelm, Perfektion kastriert Kreativität und Ergebnisse die vorerst nicht brauchbar erscheinen, können gerade deswegen interessant sein. Die Arbeit mit den Studenten stellt er sich lieber unregelmäßig, dafür aber (zeit-)intensiver vor. Die obligatorische Show am Ende eines Jahres könnte durch Präsentationsformen, individuell  angepaßt an die Arbeiten der Studenten stattfinden. Willhelms Arbeiten und seine zugängliche Art ( nach der Präsentation fand er sich im Gespräch mit einer Großzahl der Studenten wieder) lösten beim Kunststudenten in der Reihe hinter mir die Frage aus, nun vielleicht in die Mode zu wechseln. Bei mir auch.

Bernhard Willhelm

Das sollte nicht genug der Inspiration für den Tag gewesen sein: Eley Kishimoto knockten mich mit der Farbigkeit und Bandbreite ihres Schaffens aus: “We want to make the world a prettier place.” Das tun sie auch: Motorradhelme und Acessoires, Kollektionen für Cacharel, Rucksäcke für Eastpak, Teilnahme am Festival of Architecture in London mit der Gestaltung von überdimensional großen Möbeln mit Eley Kishimoto – Pattern. Plus Lehraufträge in Singapur und am St. Martin`s College. Kooperationen mit Marc Jacobs, Louis Vuitton, Jil Sander. Enorm. Ihre Herangehensweise im Entwurf erklärten sie als vorerst unspezifisch. Durch den Umgang und die Veränderung der Muster entstehen Referenzen, die wir in unseren Sehgewohnheiten mit Themen in Verbindung bringen, die also Codes zur Identifizierung entsprechen. Produziert wird in London: economically in line. Mark Eley wies an diesen beiden Tagen als einziger daraufhin, daß bei einem knappen Zeitfenster seitens der Lehrenden heutzutage der Einsatz elektronischer Medien zur Erleichterung beitragen kann. An dieser Stelle sei auf den Blog Eley Kishimotos hingewiesen, dort berichten Eley und Kishimoto für Freunde und alle anderen von Shows und aus ihrem Leben. Ich habe an zwei Tagen unterschiedlichste Herangehensweisen und Resultate kennengelernt und begriffen, wie unmittelbar die Ergebnisse mit dem dazugehörigen Designer, seinem Talent im Speziellen und der Persönlichkeit zusammenhängen. Die anstehende Entscheidung möchte ich nicht treffen müssen. Oder doch! Nein, doch nicht. Doch. Nein. Doch. Nein. Nein. Nein.

Eley Kishimoto

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Filed under ISSUE Ø5 - STRUCTURE

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