dein AUSBLICK. mein AUSBLICK.

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Barbara Holub ist Architektin. Und Künstlerin. In ihrer Arbeit kooperieren konstruktiver Ansatz der Architektin und reflexives Verständnis der Künstlerin. Die Herangehensweise, bestimmt durch den Blick aus verschiedenen Pesrpektiven, ist konstruktiv und diskursiv zugleich. Die Arbeit dehnt sich aus, bespielt verschiedene Dimensionen der Wahrnehmung, um dann klar und deutlich ein Statement zu machen.  Holub beginnt dort, wo Mißverhälnisse herrschen. Sie politisiert und positioniert sich wo andere bereits Unsinn gemacht haben, um einen Anstoß zu geben: In Amsterdam/ Ijburg entstand aus dem Nichts auf sieben künstlich aufgeschütteten Sandinseln eine Wohnsiedlung, zu deren besonderen Merkmalen neben der attraktiven Lage am Ijmeer, die Ermangelung urbaner Struktur (keine Schule, kein Kindergarten, ein einziges Café für geplante 48.000 Bewohner) und die daraus resultierende, in die Höhe schnellende Scheidungsrate wurden. Hatten sich junge Familien dort Häuser mit Meerblick gekauft, konnten sie innerhalb kürzester Zeit mit ansehen, wie eben dieser Blick unter dem dazugehörenden Baulärm verstellt wurde. Ausblick als kapitalistisches Gut: nur wer über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, kann sich Ausblick, Weitblick, Fernblick und Perspektive leisten – in Wohnungen mit unmittelbarer Nähe zum Wasser oder solchen, die aufgrund ihrer Lage weit oben den Blick über alles Niedere hinweg ermöglichen. Architektur ist nicht nur Hülle für die menschlichen Bedürfnisse. Im Gegenteil. Architektur separiert, unterscheidet und evoziert Bedürfnisse. In Ijburg war nun das Drama groß und rasche Hilfe mußte her: Auf eine Einladung des “Blue House” ( Kultur- und Stadtteilbüro auf Zeit, Ijburg) folgte die Installation ” Uitzicht op!” / “View on!” von Transparadiso (Barbara Holub und Paul Rajakowics): ein Periskop in den letzten Reihen der Siedlung ermöglicht am Wochenende den kostenlosen Blick auf das Ijmeer, einen See im Osten Amsterdams. Holubs Intervention ist eine sinnliche Erfahrung am eigenen Körper. Sie wirft den Betrachter unmittelbar auf sich selbst zurück. Aussicht als demokratischer Wert, der jedem zusteht, aber lange nicht für jeden leistbar ist.

Direkt. Direkter. Am direktesten zeigt sich die Wirkung dieses Projekts, wenn die Besucher den Platz am Periskop nicht verlassen wollen.

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Filed under ISSUE Ø4 - SPACE

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