papagei? nein danke.

Brad Pitt

Cyndi Lauper

Nena

Die große Zeit der bunten Haarmähne ist zwar längst vorüber, nichtsdestrotrotz sind weiterhin papageienartige Kreationen auf Köpfen zu sehen. Sieht meiner Meinung nach aus wie Kraut und Rüben, nennt sich heutzutage nicht mehr Strähnchen, sondern Farbreflexe. Genau diese trugen heute dazu bei, dass ich fast fluchtartig das Wella-Schulungszentrum in Wien wieder verließ. Dass ich mich in einem “Farbtechnikseminar” (meint in etwa Experimentierfreude-Seminar) verlaufen hatte, machte bereits die Ansage der (monochrom) rotgefärbten Chefin der etwa zwanzig Auszubildenden klar. Sie erbitte sich ein wenig Offenheit von den Modellen (wo fängt diese an und wo hört sie wieder auf?). Von Vogel-Strauss-Politik halte ich nicht allzu viel, verhielt mich vorerst ruhig und setzte auf Kompromißbereitschaft. Ohne Farbreflexe ging jedoch nichts. Mit den Ansagen des marketinggeschulten Bosses jedoch auch nicht:
1. “Warum hast du nicht gleich geschrien?” (Ich schreie nur im Fall äußerster Bedrohung.)
2.”Du wurdest doch telefonisch informiert!” (Wurde ich nicht)
3. “Du hast doch eh Reflexe drin.” (Sie meinte wohl in den Haaren. Ja, die sind aber so dezent, wie sie nur von Natur aus sein können.)
4. “Das ist für uns jetzt aber ganz schlecht.”
5. “Gerade haben wir noch eine weggeschickt.”
6. “Wir können dir ja Reflexe färben und wenn`s dir nicht gefällt, machen wir sie hinterher wieder weg!”
Vielleicht schloß sie von meiner Haarfarbe auf ein Leben durchgehend großer Langeweile, welche sich in einer “Wir färben sie und wenns nicht gefällt, machen wir sie wieder weg – 8 Stunden – Färbeaktion” mit dem Endresultat bestimmt hätte auflösen lassen. Verwundert bin ich auch über das Umkehren der Verhältnisse: Darf man sich geehrt fühlren, die Möglichkeit zu ergattern, innerhalb von wenigen Stunden von einer Auszubildenden, welche den aktuellen Reflex-Strähnchen-Trend fröhnt, in eine ebensolche verwandelt zu werden? Die Form subtiler Schuldzuweisung, denn schließlich wird man als Kunde für die nun entstandene mißliche Lage verantwortlich gemacht, überrascht ebenso unsouverän wie unprofessionell. Wella bleibt für mich also weiterhin in der “ein bischen konservativ”- und “weit weg von progressiv”-Ecke.
Ähnliches erlebte ich bei der Reklamation einer Zahnbürste: Ganz zufälligerweise liefen im Gespräch mit dem Verkäufer zwei weitere vorbei, welche unaufgefordert von ihrer Zufriedenheit mit dem eben reklamierten Gerät und dessen langer Lebensdauer erzählten. Erstaunt darüber, dass die gesamte Belegschaft der Abteilung für elektronische Kleingeräte bei Saturn in Hamburg exakt das gleiche Zahnbürstenmodell im Einsatz für die Mundhygiene verpflichtet, ließ mich nicht schlecht staunen. Womöglich putzt nicht nur diese Abteilung, sondern die komplette Saturn-Arbeitnehmerschaft mit eben diesem Modell. Und Kartsadt von gegenüber, obwohl gerade insolvent gemeldet (oder vielleicht deswegen??), auch. Kaufhof nebenan auch. Und alle sind sie zufrieden und hatten niemals Komplikationen mit eben dieser Zahnbürste von Phillipps, welche kulanterweise nun in meinem Fall vom Hersteller direkt ausgewechselt wurde. Vielleicht aber tauchen doch noch Probleme auf…welche sich auch mit einem abschließenden Gespräch (entlassen Sie den Kunden mit einem guten Gefühl aus dem Gespräch ) in folgender Variation und speziell in meinem Fall nicht lösen lassen:

VERKÄUFER: Woher kommen Sie denn?
ICH: Wien.
VERKÄUFER: Ah, da war ich noch nicht. Ist es da nicht eher flach? (Ich nehme an, er meinte die Landschaft.)
ICH: Nein, in nur einer Stunde sind Sie auf dem Berg zum Skifahren.
VERKÄUFER: Achso. Aber das liegt aber wohl eher daran, dass das Land nicht so groß ist.

Ich könnte mich jetzt noch über gekonnten oder verfehlten Smalltalk auslassen, welcher manchen Menschen auch in der besten Marketing-Schulung nicht beizubringen ist. Laß ich jetzt aber, denn mein Job als Oberbeschwerdeführerin ist für heute beendet.

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Filed under ISSUE Ø5 - STRUCTURE

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