fashion and virtual space.

I visited a session about fashion at the barcamp Vienna in June (read my report here), which rose my further interest in the relation between fashion and web 2.0. So I asked Vienna-based marketing expert and well-known fashion blogger Michaela Amort (Tschilp) to bring some light into the darkness. (Read English version here!)

CR: Welchen persönlichen Zugang hast Du zur Mode? Warum schreibst Du “Tschilp“?

MA: Ich bin praktisch mit der Nähmaschine aufgewachsen, meine Mutter hat sehr viele schöne Sachen genäht, und für mich war es ganz selbstverständlich Kleidung abzuändern oder nach eigener Vorstellung herzustellen. Ein bisschen vorbelastet bin ich auch durch ein Jahr Modeklasse bei Karl Lagerfeld an der Angewandten.

Seit etlichen Jahren bin ich in den Bereichen Werbung und Marketing mit Schwerpunkt New Media tätig, mein Interesse für Mode ist aber auch geblieben. Gerade im Zusammenhang mit Onlinemedien gibt es noch viel zu tun in dem Bereich. Während meiner Studienzeit habe ich als Journalistin gearbeitet, und das Schreiben hat mir ganz einfach gefehlt.

CR: Wie hat Dir das BarCamp gefallen?

MA: Sehr gut. Es war das bislang bestbesuchte in Wien, dadurch auch vom Publikum her wesentlich durchmischter und weniger IT-lastig als die BarCamps, bei denen ich davor teilgenommen habe. Eine Session zum Thema Mode zu machen, bei der der Raum auch noch am Schluss voll ist, wäre davor nicht wirklich denkbar gewesen.

CR:Welche Relevanz hat Deiner Meinung nach das Format BarCamp für die Modeindustrie? Welche Entwicklung hältst Du für wünschenswert?

MA: Im Moment noch keine, da das Format sehr stark aus der Internet-Startup-Szene kommt und von da geprägt ist. Die Modeindustrie, die man ja als klassisches Brick and mortar business betrachten kann, beginnt erst gerade zu verstehen, welche Umwälzungen – jetzt mal abgesehen von Ecommerce – durch die neue Onlinemedien-Kultur passieren. Wissen zu teilen ist in der Mode bis heute nicht gerade als Tugend gesehen worden. Das System Mode ist ein zutiefst konservatives, auch wenn das paradox klingen mag.

Trotzdem beginnen, vor allem die großen, global agierenden Konzerne langsam auf die vielen Dialoge einzugehen, die ihre Images prägen, und die ja auch ohne ihr zutun auf den verschiedenen Onlineplattformen stattfinden. Das wird natürlich immer noch mehr als neuer Kanal für’s Zielgruppenmarketing oder die PR gesehen.

Genau da sehe ich eine Chance für kleine Modeunternehmen. Ohne den ganzen Marketing/PR Apparat mit all den vordefinierten Regeln und Styleguides am Hals zu haben, müssten sich Mode-Start-Ups eigentlich viel leichter tun, einen flexiblen und offenen Umgang mit ihren Friends, Fans, Followers zu führen. Dafür könnte das Format BarCamp absolut fruchtbringend sein und eine spannende Vernetzungs- und Austauscharena, aus der sich vielleicht auch die eine oder andere innovative Partnerschaft entwickelt.

Übrigens diskutieren wir (eine kleine Gruppe aus der Wiener Blog- und Fashionstartup-Szene) gerade, wie wir das im Herbst konkret angehen könnten. http://www.barcamp.at/Fashion_Barcamp_2010

CR: Wie beurteilst Du die Relevanz des virtuellen Raums für die Mode? Welche Entwicklungen findest Du positiv? Gibt es “Negativ-Beispiele?

MA: Der virtuelle Raum ist – als Kommunikationsnmedium betrachtet – tatsächlich das neue Leitmedium (messbar z.B. an Reichweiten). Von daher liegt die Relevanz ja auf der Hand. Für die Mode ergibt sich aber noch eine andere Qualität, denn die Echtzeitkommunikation führt etwa zu einer Veränderung der Rolle der EndkonsumentInnen, die nun ohne Zeitverzögerung die Kollektionen von “morgen” sehen und aktiv beurteilen, aber schon heute haben wollen. Was lange Zeit reine B2B und Presse-Modewochen waren, wird heute ohne Zeitverzögerung von allen Interessierten kritisiert und kommentiert. Da geht es eigentlich nicht darum, ob das positiv oder negativ ist, es findet statt und niemand kann sich letztendlich ausschließen.

CR: Thema Live-Streaming von Fashion-Shows…sinnvoll oder nicht?

MA: Im Hinblick auf eine Multiplikation der Botschaft – alle Fashionshows transportieren ja Botschaften – sind Live Streams sogar sehr sinnvoll. Es geht dabei ja nicht darum, das Vor-Ort-Sein zu ersetzen, sondern um die massive Verbreitung von Brand und Image und letztendlich die Generierung von Nachfrage. Leider fehlt hier noch häufig die Einbindung in Social Media, so wird z.B. derzeit noch oft auf die technisch sehr einfache Twitter-Integration einfach lieber “vergessen” anstatt das Feedback gleich für den Dialog zu nutzen.

CR: Würdest Du eine Prognose für die Zukunft der Mode im Web wagen?
MA: Der E-Commerce im Modebereich wird noch ordentlich wachsen, was keinesfalls bedeutet, dass reale Shops verschwinden werden.
Wir werden mehr hochprofessionelle Modevideos sehen, die speziell für’s Web konzipiert sind.
Live Streams mit sozialer Einbettung – sowohl virtuell als auch in real life – werden ein ganz normaler Teil im Kommunikationsmix werden. Das hat Burberry Prorsum heuer im Februar mit dem 3D Stream wunderbar vorgemacht.

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Filed under ISSUE Ø8 - INTERVIEW, ISSUE Ø9 - VIENNA

3 responses to “fashion and virtual space.

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  2. Pingback: Tschilp im Interview: Fashion and virtual space | Tschilp

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