baustelle gleichberechtigung.


seen with Leica R7, Hamburg, Spitalerstraße

es gibt blogposts, die kommen  aufgrund der aktualität des themas sehr chic und bei nennung der kontroversesten theoretikerInnen auch noch ein wenig intellektuell daher.
so äußert sich doch die in berlin wohnhafte mahret kupka auf ihrem blog fnart/ leben mode kunst etc.:

(…) Bei fortschreitender Lektüre Judith Butlers “Das Unbehagen der Geschlechter” starte ich den Versuch, Geschlechterkategorisierungen aus meinem Wortschatz zu streichen. Ich als Gegnerin der Frauenquote. Wozu eine Quote für etwas, das nicht existiert? (…)

diese fragestellung lässt sich recht simpel beantworten:
es gibt einen realpolitischen umstand, der  maßnahmen wie beispielsweise eine frauenquote notwendig macht – und zwar die systemische schlechterstellung der frau, welcher durch die einführung einer quote strukturell entgegengewirkt werden kann.
dass gleichberechtigung nicht von alleine entsteht und führungsetagen nicht zufällig über jahrzehnte männlich besetzt sind, zeigen ein weiteres mal die statistischen zahlen im beitrag für einen wandel in den chefetagen von viviane reding und gabriele heinisch-hosek auf die Standard.at
als befürworterin der frauenquote fällt mir dazu nur folgender ratschlag ein: erst denken, dann schreiben!

9 Comments

Filed under ISSUE Ø1- FEMALE FOX, ISSUE Ø5 - STRUCTURE

9 responses to “baustelle gleichberechtigung.

  1. Als Gegnerin der Frauenquote fällt mir dazu ein, erst weiterlesen, dann selber denken und dann kritisieren!
    “Was micht stört ist die nach wie vor von der Politik vertretene Auffassung, dass Sex und Gender untrennbar verwoben sind… wobei sich das freilich aufzulösen beginnt, nur ist der Prozess ermüdend langsam und die Geschwindigkeit an ein System gekoppelt, das seine Macht über das Erschmeicheln von Wählerstimmen erlangt, die größtenteils Menschen abgeben, die es nicht gewohnt sind, im großen Rahmen zu denken.” Ich möchte gerne aufgrund meiner Qualifikation gehört werden und nicht weil ich eine “Frau” bin. Und in ein paar Jahren bist Du dann auch für die Männerquote? Die Familienmenschenquote? Die Hundehalterquote? Die Autofahrerquote? Die Homosexuellenquote? Wie soll denn bitte über Quotenregelungen jemals eine “Gleichberechtigung” nicht im Sinne einer Gleichmachung – wie es über Quoten passiert – sondern über eine Akzeptanz der Andersartigkeit der Menschen und der Zusprechung gleicher Rechte für jeden einzelnen, erlangt werden!? Und außerdem verstehst Du meinen zitierten Satz komplett falsch. Ich sage an keiner Stelle, dass es keine Ungleichberechtigung gibt. Ich merke nur an, dass der Umgang damit nicht zur beabsichtigten Lösung führen wird, sondern nur ein bisschen an der Oberfläche kratzt, ein bisschen Erde in ein viel zu großes Loch schüttet. Es gibt “einen realpolitischen Umstand”, der ein Handeln nötig macht, Ja, aber dieser macht KEINE Frauenquote notwendig, die eben NICHT zu einer systemischen Gleichstellung der Frau führen würde, sondern nur NEUE Ungleichgewichte erzeugen würde. Wir kämen vom 100stel ins 1000stel. Wo soll das bitte hinführen (as statet above)? Da nützt keine strukturelle Entgegenwirkung, sondern eine DENKENDE Entgegenwirkung, aus der dann veränderte Verhaltensweisen folgen können… Vielleicht sollte ersteinmal damit begonnen werden Rahmenbedingungen zu schaffen, die es “Frauen” überhaupt erst ermöglichen würde, Führungspositionen zu übernehmen!? Und wann ist denn bitte mal ein Mensche ein Mensch und keine Kategorie? Das Problem ist doch viel globaler, als das man da ein bisschen was zusammenkitten könnte mit einer kleinen Frauenquote, die dann fürs erste ein paar Wählerstimmen sichern würde!

  2. carmen

    Liebe Mahret,
    deine Ausführungen lassen mich vermuten, dass du dich mit dem politischen Sinngehalt der Korrekturmaßnahme “Frauenquote” nicht hinreichend auseinandergesetzt hast. Drei Anmerkungen:
    1. Schön, dass du das ansprichst: “Ich möchte gerne aufgrund meiner Qualifikation gehört werden und nicht weil ich eine “Frau” bin.” Eben dies ist der Umstand, den eine Frauenquote herbeiführen soll.
    2. “Vielleicht sollte ersteinmal damit begonnen werden Rahmenbedingungen zu schaffen, die es “Frauen” überhaupt erst ermöglichen würde, Führungspositionen zu übernehmen!?” Genau das bezweckt die Frauenquote.
    3. Es ist im Übrigen davon auszugehen, dass metaphysische Konzepte wie “DENKENDE Entgegenwirkungen” keinen realpolitischen Impact zeitigen.

  3. Katrin Graf

    Irgendwie wird das mit der Frauenquote immer missverstanden. Frauen sollen ja nicht bevorzugt werden. Bei gleicher Qualifikation zweier Bewerber soll die Frau bevorzugt werden. Bisher wurde immer der Mann bevorzugt. Damit hatte bisher noch niemand ein Problem.
    Allerdings lösen wir mit der Frauenquote allein das Problem nicht. Solange die Kinderbetreuung nicht geregelt ist, können Frauen nicht wirklich arbeiten. Weiter das Problem der Kinderbetreuung an uns hängen bleiben solange wir weniger verdienen als Männer. Denn welche Familie kann es sich leisten, auf das höhere Gehalt zu verzichten.
    Was uns leider ganz besonders fehlt sind Netzwerke. Große Netzwerke die uns wirklich voran bringen. Frauen verzetteln sich da viel zu schnell. Schaut euch mal im Netz um, es gibt lauter kleine Frauengruppen die nicht zusammenarbeiten.
    Männer haben riesige Netzwerke, jede Seite ist mit der anderen verlinkt. Genau wie im richtigen Leben. Und leider werden diese nicht selten von Frauen unterstützt. Wir müssen mehr Solidarität untereinander üben. Frauen machen 52% der deutschen Bevölkerung aus. Wir sind die größere Macht, wenn wir es denn wollen und aufhören Macht als negativ darzustellen.

  4. carmen

    @Barbara: Danke für deinen Beitrag. Mir fällt immer wieder auf, wie wenig Bewusstsein unter Frauen für die Gleichstellungs-Problematik herrscht.
    Ergreift Frau nicht aus Eigeninitiative die Möglichkeit, sich zu informieren – bleiben ihr alle Erkenntnisse zur Stellung der Frau in der Gesellschaft verborgen. Schlafende Hunde weckt man(n) eben besser nicht..
    Den Netzwerkaspekt finde ich spannend und werde ich beobachten.
    Als Tip: Annina Luzie Schmid netzwerkt ganz toll und stellt auf ihrem Blog “Girls Can Blog” einen Bloggerinnenpool zusammen: http://girlsblogtoo.blogspot.com/ .

  5. Es sieht nicht so aus, als kämen wir hier auf einen Nenner. Abschließend möchte ich noch eines sagen – jenseits davon, dass mich die Aussage Katrin Grafs, die rein grammatikalisch schon gar keinen Sinne macht etwas befremdet: “Frauen sollen ja nicht bevorzugt werden. Bei gleicher Qualifikation zweier Bewerber soll die Frau bevorzugt werden. Bisher wurde immer der Mann bevorzugt.” Frauen sollen nicht bevorzugt werden, ok. im nächsten Satz steht, sie sollen bevorzugt werden. Anyway…
    Hier geht es nicht um die “Aktualität” eines Themas, das gerade “chic” und “ein wenig intellektuell” diskutiert wird, sondern um einen schon etwas älteren Streit, der immer wieder hochschwappt… In meinem Blogbeitrag ging es mir darum, darauf hinzuweisen, dass es auch noch andere Sichtweisen gibt und dass Probleme nicht zwangsläufig mit dem Holzhammer “Frauenquote” gelöst werden müssen. Zugegeben muss ich, dass ein “denkendes Entgegenwirken” AKUT wenig realpolitischen Impact hat. ABER ich bin glücklicherweise auch keine Politikerin, die in kurzer Zeit Lösungen liefern muss, um die Gunst des Wählers zu halten, sondern Wissenschaftlerin und nehme mir daher die Freiheit, alternative, längerfristige Denkmodelle in den Raum zu stellen, bzw. an solche zu erinnern. Und das hat wenig mit Fehlinformation oder Desinteresse zu tun, ganz im Gegenteil! Und dass ich keine Frauenquote will hat nichts damit zu tun, dass ich irgendwie blöd bin oder irgendetwas nicht verstehe, sondern dass ich einfach nicht nur aufgrund der Tatsache, dass ich eine Vagina habe, als “Frau” abgestempelt werden will, bzw. NOCH schlimmer, nie auf die Idee käme, mich selbst als solche abzustempeln! Sorry, ich hatte eben für einen Feminismus dieser Art noch nie Verständnis, das mag aber auch daran liegen, dass ich mit Männern, “Männerklüngeln” und ihren Netzwerken nie Probleme hatte und viel mehr Wert darauf legte als die, die ich bin wahrgenommen zu werden und nicht als abstraktes Konstrukt “Frau”. Zum Abschluss noch ein Zitat: “Die feministische Kritik muss einerseits totalisierende Ansprüche einer maskulinen Bedeutungs-Ökonomie untersuchen, muss aber andererseits gegenüber den totalisierenden Gesten des Feminismus selbstkritisch bleiben. Der Versuch, den Feind in einer einzigen Gestalt zu identifizieren, ist nur ein Umkehrdiskurs, der unkritisch die Strategie des Unterdrückers nachahmt, statt eine andere Begrifflichkeit bereitzustellen.” Nunja, sie mag ja als eine der “kontroversesten TheoretikerInnen” gelten, deswegen hat sie ja nicht automatisch unrecht und Frau Butler eine Uninformiertheit zu unterstellen, finde ich mutig… Daher JA zu gleichen Ausgangsbedingungen und Gleichberechtigung, aber NEIN zur Frauenquote von meiner Seite. Und auch nein zum Feindbild Mann und ihren furchterregenden Penis-Netzwerken das ist jetzt echt langsam a bisserl oll, die Damen!

  6. carmen

    @Mahret:
    In dem politischen System, genannt Demokratie, in dem wir leben, geht es darum, Macht zu verteilen. Wird einer Gruppe Macht weggenommen, kommt sie einer anderen zu – wobei die Verteilung von Macht als Nullsummenspiel anzusehen ist.
    Die Frauenquote zielt nicht darauf ab, “den Feind in einer einzigen Gestalt zu identifizieren”, sondern überhaupt ertsmal ein (Macht-)Gleichgewicht herzustellen.
    In deiner Argumentation stützt du patriarchalische Denkmuster und reproduzierst ebensolche Strukturen unter Verkennung real-existierender Phänomene wie z.Bsp. die genannte Netzwerkstruktur unter Männern.

    PS:Ich finde es grundsätzlich toll, wenn Menschen sich mit dem Thema auseinandersetzen und bin eine große Anhängerin Butlers.

  7. Hi Carmen,
    ich stelle auf meinem Blog auch ein Bloggerinnen-Pool zusammen, allerdings fast ausschließlich und nur gelegentlichen auch eigene Posts.

    Liebe Grüße,
    Lucia

  8. carmen

    @Lucia: fine! danke für den hinweis. das werd ich gleich anschauen :-)

  9. Pingback: time for a change: pro quote. | m.e.t.r.o.n.o.m.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s